News April 29, 2020

Das Engagement des Finanzdienstleistungsökosystems der Region Paris gegen COVID-19

Im Kontext der aktuellen Pandemie haben die Versicherer alles darangesetzt, um ihre Kunden bei der Bewältigung der Krise zu unterstützen und den Schaden so gering wie möglich zu halten. Sie planen eine Mobilisierung von 400 Millionen Euro für die Aufstockung des Solidaritätsfonds zugunsten der Kleinstunternehmen und Selbstständigen und haben Nachlasse in Höhe von 500 Millionen Euro zugesagt.

Der Finanzsektor zeigt großes Engagement

Ein gutes Beispiel für das weitreichende Engagement des Finanzsektors sind Unternehmen wie Maif und Matmut, zwei französische Versicherungsunternehmen, die eine Umverteilung der seit Beginn der Quarantäne erzielten Gewinne aus der Kfz-Versicherung an ihre Kunden bekannt gaben. Da die Zahl der Verkehrsunfälle aufgrund der Ausgangssperren drastisch zurückging, sind die beiden Versicherer in der Lage, jeweils 100 bzw. 50 Millionen Euro an Rückvergütungen zu gewähren.

AXA kündigte seinerseits an, insgesamt mehr als 200 Millionen Euro an seine Kunden weitergeben zu wollen. Das französische Versicherungsschwergewicht verspricht, zwei Monatsprämien an Selbständige und Unternehmen zurückzuzahlen, die aufgrund des Lockdowns geschlossen wurden.

Die Versicherer arbeiten außerdem an einem Investitionsplan in Höhe von 1 Milliarde Euro, von dem Unternehmen im Gesundheitswesen direkt profitieren sollen. Als öffentliches Finanzinstitut wird die Caisse des Dépots zusammen mit den Versicherern auf bestehende Fonds zurückgreifen, um schneller in Schuld- und/oder Kapitaltitel börsennotierter und nicht börsennotierter KMU und Midcap-Unternehmen investieren zu können. CNP Assurances plant, mehrere hundert Millionen Euro in das derzeit in Entwicklung befindliche Investitionsprogramm fließen zu lassen.

Die Banken sind seit Beginn der Krise sehr mobilisiert. Kurz vor Ankündigung des Lockdowns Mitte März hatten Privatkundenbanken ein sechsmonatiges kostenloses und zinsfreies Moratorium für die Rückzahlung von Krediten an Unternehmen beschlossen. Zudem werden die Banken mobilisiert, um staatlich garantierte Darlehen (PGE) zu gewähren – dieser Mechanismus ermöglicht es Unternehmen, Beträge von bis zu 25 % ihres Jahresumsatzes zu erhalten. Bis heute haben rund 150.000 dieser Unternehmen einen Finanzierungsvertrag dieser Art über insgesamt 22 Milliarden Euro erhalten.

In dem beispiellosen Kontext der durch COVID-19 verursachten Gesundheitskrise bietet das Bezahlunternehmen PayPlug seinen Online-Bezahldienst für Ärzte kostenlos an. Die Situation beschleunigte zudem die Einführung von Remote-Banking-Lösungen – ein Thema, bei dem sich Privatbanken als sehr agil herausstellten.

Die in Paris ansässigen VC-Gesellschaften konnten ihre Investitionen unterstützen und gleichzeitig neue Projekte angehen. Sie konzentrieren sich nun auf Technologien, die während der Ausgangssperren von Nutzen sind (EdTech, Gaming, Cybersicherheit usw.), eine neue Krise verhindern können (MedTech, Lieferkette) und es Unternehmen und Einzelpersonen ermöglichen, die Auswirkungen der Krise zu überwinden (FinTech, FoodTech usw.).

Während dieser außergewöhnlichen Situation, in der Lehrern und ihren Schülern der Ausgang untersagt ist, bietet die Banque Populaire ihren Kunden kostenlosen Zugang zu ihrer Website, auf der Kindern und Jugendlichen von der ersten Klasse bis zur Oberstufe unterstützende Inhalte und Bücher zum Download zur Verfügung gestellt werden. Die Website wurde zudem aktualisiert, um die Nutzung für Familien in diesem Zeitraum zu erleichtern: www.bibliothequedelareussite.fr.

Finanzcluster und -acceleratoren starten Ausschreibungen für Anwendungen zur Bekämpfung von COVID-19

Finance Innovation ist ein pulsierendes, in Paris basiertes FinTech-Cluster mit über 500 Mitgliedern. Am 15. April schloss das Cluster seine 11. Projektausschreibung für innovative FinTechs ab. Eine neue Ausschreibung wird Mitte Juli 2020 erwartet.

In der Zwischenzeit unterstützt Finance Innovation mehrere Initiativen seiner Mitglieder. So schloss sich beispielsweise eine Gruppe von Start-ups zusammen, um Unternehmern bei der Bewältigung ihrer Cashflow-Situation zu helfen: G-Collect führt diese Initiative zusammen mit Unternehmen wie Astonitf, Factomos, Libeo und Streammind aus.

Weitere Initiativen sind u. a.:

  • Village by CA Paris, der Accelerator des Crédit Agricole, startete eine Ausschreibung für Impact-Startups einschließlich FinTechs.
  • Willa initiierte „Willa Women in FinTech“, eine Projektausschreibung, die sich an Unternehmerinnen und Arbeitnehmerinnen richtet.
  • Banque Populaire und Maddyness haben sich zusammengetan, um den 3. Prix Next Innov-Wettbewerb durchzuführen, dessen Gewinner ein Preisgeld und ein Paket zur Erhöhung der Sichtbarkeit für Scale-ups, einschließlich FinTechs, erwarten. Die Bewerbungsfrist verlängert sich bis zum 15. Mai.

Wege zu einer neuen und nachhaltigen Finanzierung

Auf eine wirtschaftliche Zukunft zu setzen, die nach der Krise nachhaltiger, gerechter und widerstandsfähiger ist, ist das Ziel von reCOVery, einer kollaborativen Initiative von Fabernovel und Mirova, einem Assetmanagement-Unternehmen, das sich nachhaltigen Investitionen widmet. Mehrere Unternehmen, Finanzakteure und andere Wirtschaftsverbände haben bereits an einem 31-tägigen Gesprächsprojekt teilgenommen, das die Entstehung innovativer Lösungen unterstützen soll.  So hostet eine Web-Plattform einen Monat mehrere Challenges, um die Debatte anzuregen und die Vorschläge der Wirtschaftsakteure zu konsolidieren.

Eine innovative und positive Reaktion

Während dieser herausfordernden Situation bleibt das finanzielle Ökosystem der Region Paris stark und innovativ. Während zahlreiche Initiativen ins Leben gerufen werden, um die aktuelle Situation zu verbessern, entwickeln die verschiedenen Akteure Lösungen zur Optimierung und Verstärkung der Nachhaltigkeit.

Der gesamte Sektor ist vollständig mobilisiert und entschlossen, sich auf die wirtschaftliche Erholung nach dem Lockdown vorzubereiten.

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